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I Ging – Das Kosmische Orakel
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Hexagramm 3. Einen Neuanfang machen

___________

 

Kan
Dschen

 

Das Urteil: Fördernd ist es, im Nicht-Handeln beharrlich zu sein bis man Klarheit hat. Fördernd ist es, Helfer einzusetzen.

Während die Hexagramme 1 und 2 das Wesen des Kosmos als Ganzes beschreiben, korrigiert der Weise in diesem Hexagramm fehlgeleitete Ideen über den Platz des Menschen darin.
Im Folgenden werden typische Situationen beschrieben, in denen dieses Hexagramm antworten werden kann:
 Immer handelt es sich um einen Neufanfang - in der Beziehung zu sich selbst oder zu anderen, oder um den Beginn einer neuen Beschäftigung, usw. In allen Fällen gilt es zu erkennen, dass der Neuanfang ein Geschenk des Kosmos ist, nachdem ein widriges Schicksal, das der Betreffende erschaffen hat, zu Ende gegangen ist. Um einen wirklichen Neuanfang machen zu können, braucht er nun Klarheit über das kosmische Gesetz des widrigen Schicksals. (Siehe Glossar: Schicksal)
Das Geschenk, von dem hier die Rede ist, kann auch eine Erbschaft, eine Liebesbeziehung, ein Kind oder Hilfe in verschiedenster Form sein. Solche Geschenke sind Ausdruck der grossherzigen Mehrung, die der Kosmos bzw. die Natur allem und jedem zuteil werden lässt, der mit dem Kosmos im Einklang ist. Einer der Zwecke widrigen Schicksals besteht darin, einen Menschen wieder auf den Boden der Bescheidenheit, und damit in Einklang mit dem Kosmos zu bringen. Das Geschenk lässt ihn erfahren, was es bedeutet, im Einklang zu sein und somit an dem ständigen Segensstrom des Kosmos teilzuhaben.
In der Phase des Neuanfangs mag der Beschenkte unsicher sein, wie er mit dem Geschenk umgehen soll. Die einzelnen Linien geben ihm dazu Hinweise. Als erstes gilt es, die kosmische Natur des Geschenks anzunehmen; als zweites, seinen Zweck zu erkennen, nämlich als Hilfe zur Befreiung des wahren Selbst aus der Herrschaft des Egos zu befreien. Das Geschenk bietet ihm Gelegenheit, sein Verständnis von der Dynamik des Lebens — in seinen sichtbaren wie unsichtbaren Dimensionen — zu vertiefen. Drittens gilt es, die eigene Verantwortung für das Geschenk zu erkennen. Es muss verhindert werden, dass sich das Ego das Geschenk für seine Zwecke aneignet; das könnte z.B. dadurch geschehen, dass das Ego vorschlägt, sich ein neues Selbstbild zuzulegen: das des “Wohltäters” oder einer “Person von Einfluss” (Geldgeschenk); ist das Geschenk ein Kind, so kann es das Selbstbild der “guten Mutter” oder des “guten Vaters” sein. Diese Selbstbilder entstehen dadurch, dass man sich mit den entsprechenden Rollen identifiziert, wie sie vom kollektiven Ego definiert sind. Wenn das Geschenk eine Liebesbeziehung ist, kann es z.B. das Selbstbild des “dominanten Mannes“ oder das der “nachgiebigen Frau” sein, oder umgekehrt.
In allen Fällen des Neubeginns steht das noch nicht ausgemerzte Ego mit Vorschlägen bereit, die dem Beschenkten damit schmeicheln, dass er einen zusätzlichen Status oder Vorteil aus dem Geschenk beziehen kann. Verleiht er diesen Vorschlägen Gehör oder unterhält er sie irgendwie in seinem Geiste, dann behält das Ego die Kontrolle. Als Diener des kollektiven Ego verhält sich das individuelle Ego wie ein Räuber, der nur darauf wartet, die kosmischen Geschenke, die dem Einzelnen zuteil werden, zu stehlen und sie dem Nutzen des kollektiven Egos zuzuführen. Es hofft, dafür Anerkennung und Belohnung zu erhalten. Wenn der Betreffende dies zulässt, erschafft er ein neues widriges Schicksal.
“Neuanfang” kann sich auch auf jemanden beziehen, der neu zum I Ging kommt, um etwas zu lernen. Der Weise, der durch das I Ging spricht, möchte ihn darauf aufmerksam machen, dass er unbewusst seine fixen Glaubensvorstellungen, Ängste, Erwartungen und gewohnten Herangehensweisen in die Lektionen hineinträgt. Solange diese Elemente nicht ausgeräumt sind, ist es nicht fördernd zu handeln, da sie unbewusst die Situation beeinflussen würden. Dies gilt auch für die anderen, weiter oben genannten Neuanfänge.
Dieses Hexagramm kann sich auch auf jemanden beziehen, der versucht, einen neuen Anfang zu machen, nachdem  eine falsche Glaubensvorstellung oder Idee ausgebrannt ist. Ein Neuanfang ist jedoch nicht möglich, wenn er seine Wut, Enttäuschung oder Angst vor neuem Versagen unbearbeitet in die neue Situation hineinträgt. Alle diese Faktoren würden die Offenheit blockieren, die für eine Kommunikation mit dem Weisen nötig ist, oder dafür, “Helfer einzusetzen”, wie es im Urteilsspruch heisst. Gemeint sind die Helfer der unsichtbaren Welt.
Dem beginnenden I-Ging-Schüler will dieses Hexagramm sagen, dass es wichtig ist, das Gelernte auf seine jeweils aktuelle Lebenssituation anzuwenden. Es sagt ihm ferner, dass keine Erfahrung zu gering oder unbedeutend ist, um in diesem Lernprozess nützlich zu sein. Der Weise lehrt keine theoretischen Lektionen , sondern nutzt die jeweilige konkrete Situation, um den Schüler zu lehren, dass jede Situation eine innere Wahrheit besitzt, die dem Auge verborgen ist. Der Weise will ihm neue, innere Wege zeigen, mit Situationen umzugehen. So lehrt er zum Beispiel, das Innere Nein zu Dingen zu sagen, die unharmonisch sind, sowie die Helfer der unsichtbaren Welt zu bitten, alles Notwendige zur Korrektur tun.
 Der Spruch “Fördernd ist es, im Nicht-Handeln beharrlich zu sein” bedeutet auch, dass man als notwendige Voraussetzung dafür, dass ein Neuanfang stattfinden kann, vorübergehend sein Urteil ausser Kraft setzt. Der Weise ist sich bewusst, dass jeder Schüler Glaubenssysteme mitbringt, die dem, was er neu lernt, widersprechen. Der Weise greift nie zu Argumenten und wird nie versuchen, etwas zu beweisen, sondern gestattet dem Schüler, selbst zu erkennen, was wahr ist – oft durch Wiederholung der Lektion -, bis dieser eine Wahrheit von innen heraus begriffen hat. Aber selbst dieser Lernvorgang wäre unmöglich ohne die Bereitschaft des Schülers, wenigstens vorübergehend sein Urteil auf die Seite zu stellen. Das ist alles, was es braucht. Ein anderer Anfangsfehler besteht darin, dass der Betreffende alle seine Autoritätsvorstellungen auf den Weisen projiziert, einschliesslich seiner Vorstellung von einer höchsten Autorität. Solche Übertragungen kommen vom Ego, das den Weisen überhöht, um dann im Austausch für Gehorsam Vorteile zu gewinnen. Wann immer das Ego anwesend ist, zieht sich der Weise zurück und die Botschaften des Orakels werden verwirrend. (Siehe S. 57: Der Weise, der durch das Orakel spricht.)
Ein weiteres Hindernis, das das Lernen vom Weisen erschwert, ist die Angst, der Weise würde von einem verlangen, dass man Veränderungen gegen den eigenen Willen vornimmt, oder dass er etwas verlangen könnte, was einen überfordern würde. In Wirklichkeit lehrt der Weise nur Wahrheiten, die der Schüler imstande ist zu verstehen und zu befolgen, und von denen er klar erkennen kann, dass sie mit seiner wahren Natur im Einklang sind.
Andere Anfangsängste äussern sich in Zweifeln wie: “Was ist das I Ging? Wird es mir die Wahrheit sagen? Kann ich ihm vertrauen? Wird es mich beschützen? Wird es mich bestrafen, wenn ich einen Fehler mache? Was, wenn es etwas sagt, das gegen meinen Glauben verstösst? Werde ich unter seinen Einfluss geraten und mich nicht mehr davon befreien können? Könnte es bedeuten, dass ich meine Familie, Freunde, oder meinen Partner aufgeben muss, oder von ihnen verlassen werde? Verlangt es von mir, dass ich mich ändere und dann nicht mehr derjenige bin, der ich jetzt bin? Ist der Weise das Böse?” Alle solche Zweifel kommen vom Ego, das befürchtet, vom wahren Selbst deplatziert zu werden, wenn der Einzelne erst einmal beginnt, seine innere Wahrheit zu erkennen.
Der Weise verlangt von niemandem, dass er ihm vertraut oder an ihn glaubt. Er stellt sich zur Verfügung, um dem Schüler, der sich um Wahrhaftigkeit bemüht, zu zeigen, wie ihn seine Ängste von seiner inneren Wahrheit abhalten und wie diese Ängste in seiner Psyche eine dämonische Wirklichkeit erzeugen, die versucht, sein Leben zu beherrschen. Er zeigt dem Schüler, wie er durch Hinauswerfen falscher Glaubensvorstellungen, die er vom kollektiven Ego übernommen hat, lernen kann, wie der Kosmos wirklich funktioniert, und wie er seine wahre Natur, die im Einklang mit dem Ganzen ist, befreien kann.
Der Anfänger tut auch gut daran, sich klarzumachen, dass der Weise keine Glaubensvorstellungen lehrt, sondern ihm durchgehend davon abrät, irgendwelche anzunehmen. Es gehört zu den häufigsten Fehlern des Anfängers, nach einem neuen Glaubenssystem Ausschau zu halten, um das alte zu ersetzen. Der Grund dafür ist, dass er als Kind gelernt hat, dass er ein Glaubenssystem braucht, weil er angeblich dem, was er innerlich weiss, nicht vertrauen kann, und weil er nicht gut genug ist, seine eigene Verbindung zum Kosmos zu haben. So glaubt er vielleicht, das I Ging lehre dieselben “universellen Wahrheiten”, auf denen die Religionen beruhen. Alle diese Argumente müssen klar erkannt werden als Bemühungen des kollektiven Ego, seine Kontrollfunktion zu wahren, indem es versucht, die Lehren des Weisen mit traditionellen Glaubensvorstellungen gleichzusetzen. Auf diese Art versucht es, den Weisen in die Reihen “erleuchteter” Menschen einzugliedern, die vom kollektiven Ego anerkannt sind.
Ein anderes Missverständnis, das von den traditionellen I-Ging-Ausgaben genährt wurde, ist ein Denken, das sich am Wort “Wandel” orientiert anstatt an der Wirklichkeit von Transformationen. Das Wort “I” im Namen “I Ging” ist in China entweder mit “Wandel” oder  mit “Transformation” übersetzt worden, wobei beide Worte als austauschbar gesehen wurden. Der Weise macht deutlich, dass Einklang mit dem Kosmos nicht durch oberflächlichen Wandel herzustellen ist, indem man z.B. seine Meinung, seine Gewohnheiten oder Einstellungen verändert. Wahrer Wandel (also Transformation) ist unmöglich, solange man das falsche mentale Programm der Kindheitskonditionierung beibehält. Transformationen geschehen im Bereich des Bewusstseins (das heißt im Bereich des Atoms), wenn man die falschen Sätze und Bilder dieses Programms löscht. Ein wirklicher Neuanfang erfordert, dass der Betreffende die falschen Prämissen, die allen Glaubenssystemen zugrunde liegen, und die er – bewusst oder unbewusst – in seine Psyche hineingelassen hat, überprüft und löscht. Hierzu kann er die Drei-Münz-Rückfrage-Methode (DMR-Methode) verwenden, die im Anhang beschrieben ist. Er braucht diese Sätze und Bilder durch nichts zu ersetzen, denn durch das Löschen des mentalen Programms wird seine “kosmische Hardware” von ihrer Unterdrückung befreit. Befreit wird sein wahres Selbst, das im Einklang ist mit dem Kosmos. Dieses innere Handeln führt zu Transformationen, weil es in Zusammenarbeit mit den Helfern der unsichtbaren Welt erfolgt. Dies ist, was Lao Tse meinte, wenn er sagte, das wahre Selbst werde befreit durch “tägliches Mindern [von Teilen des Ego]”.
Der Helfer, der vor allem mit diesem Hexagramm verbunden ist, hilft uns, die Keimsätze und Bilder, falschen Zuschreibungen und Projektionen zu finden, die in unserer Psyche gespeichert sind und uns daran hindern, einen wirklichen Neuanfang zu machen. Der auf Platz 2 erwähnte Räuber ist das kollektive Ego, das sich als Helfer anbietet, der “die richtige Lösung” weiß. Seine Lösungen bestehen immer darin, die Situation durch äusseres Handeln anzugehen.
Häufige falsche Zuschreibungen, die mit diesem Hexagramm verbunden sind, stellen Neuanfänge als “schwierig” hin. Tatsächlich sind sie nur solange schwierig, als man die Existenz des Weisen und der Helfer nicht erkennt und sie daher nicht um Hilfe bittet. Wer sich in etwas Neues hineinstürzt, ohne Klarheit über die innere Wahrheit der Situation zu haben, gerät mit Sicherheit in Schwierigkeiten. Die erwähnten falschen Zuschreibungen drücken sich in Sätzen aus wie: “Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte” (als Entschuldigung dafür, dass man auch innerlich nichts unternimmt), und “Aller Anfang ist schwer.” Solches Denken sieht Selbstentfaltung fälschlicherweise als einen Prozess, bei dem man seine wahre Natur in eine ideale Form zu pressen hat. Die Befreiung des wahren Selbst, unter der Führung des Weisen, erlegt dem Einzelnen keine endlosen Aufgaben und falsche Disziplin auf; es befreit ihn von innen heraus durch stufenweises Wachstum. Jedes Mal, wenn er sich von einer falschen Zuschreibung löst, befreit er Helfer in sich selbst, so dass die Aufgabe von Mal zu Mal leichter wird.

Anmerkung: Da alle Liniensprüche unzählige Interpretationsmöglichkeiten enthalten, wird die Benutzung der Drei-Münz-Rückfrage-Methode (DMR-Methode) empfohlen, um herauszufinden, ob die hier wiedergegebene Bedeutung auf die gegebene Fragesituation zutrifft. (Siehe S. 791: Die Drei-Münz-Rückfrage-Methode)

Platz 1: Zögere, denn es gibt ein Hindernis. Fördernd ist es, beharrlich zu bleiben. Fördernd ist es, Helfer einzusetzen.
Dieser Spruch kann sich an jemanden richten, der zu Beginn einer neuen Situation glaubt, handeln zu müssen, aus dem einfachen Glauben heraus, dass Nicht-Handeln ein Zeichen von Schwäche oder schlecht wäre. Der Rat zu zögern deutet darauf hin, dass es ihm an Klarheit mangelt; daher ist es nicht fördernd, äusserlich irgendetwas zu unternehmen.
“Fördernd ist es, Helfer einzusetzen” bezieht sich auf die Helfer der unsichtbaren Welt, die durch falsche Ideen, die der Betreffende über seine wahre Natur hat, an der Ausübung ihrer Funktionen gehindert sind. Es sind Ideen, die ihn nicht klar erkennen lassen, dass seine wahre Natur, die aus unzähligen Helfern besteht, über alle Ressourcen verfügt, um sein Leben im Einklang mit der Natur zu leben. Ausserdem verbindet ihn seine wahre Natur mit allen helfenden Kräften des Kosmos. Die betreffenden Ideen haben sowohl seine wahre Natur als auch die kosmischen Helfer mit falschen Zuschreibungen belegt, was ihr harmonisches Zusammenspiel blockiert. Der Betreffende muss sich von diesen falschen Zuschreibungen befreien, was auch seine natürlichen Gefühle befreien würde, die ihm wahre Klarheit schenken. Um die falschen Zuschreibungen im Einzelnen zu identifizieren, braucht man die Hilfe des Weisen und der anderen Helfer der unsichtbaren Welt. Dabei gilt es beharrlich zu bleiben, bis man vom Weisen die Versicherung erhalten hat, dass man sie – mit Hilfe der DMR-Methode - ausreichend identifiziert hat. (Siehe S. 735: Sich von Keimsätzen und Bildern befreien)
Falsche Zuschreibungen, die in diesen Zusammenhang gehören, bestehen aus Sätzen wie:
• “Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand.” Diese Zuschreibung hält den Persönlichen Helfer der betreffenden Person gefangen, da sie glaubt, sie müsse alles durch mentale Berechnung, geistige Anstrengung und ständiges Streben erreichen. Ein solcher Mensch trägt die Welt auf seinen Schultern.
• Die Vorstellung, dass die Tiernatur des Menschen etwas Niedriges sei, und man seine “spirituelle Natur” entwickeln müsse, um sich von seiner Tiernatur zu befreien. Diese Vorstellung teilt die Ganzheit der Persönlichkeit in Teile, die als einander entgegengesetzt gesehen werden. Die wahre Natur eines Menschen ist untrennbar verbunden mit seinem Körper, durch den er die Lebensenergie (Chi) vom Kosmos empfängt. Jede Verachtung des Körpers blockiert die nährende und heilende Chi-Energie und macht den Betreffenden empfänglich für Krankheit. Er benötigt die Hilfe des Weisen, um seine Tiernatur von der falschen Zuschreibung zu befreien.
• Die Idee, alle Dinge hätten ihren Ursprung in Ideen.1 Das Kosmische Bewusstsein erzeugt alle Dinge aus seinem Gefühl, nicht aus Ideen. Wer an diese fehlgeleitete Idee glaubt, hat seine Gefühle mit einer falschen Zuschreibung belegt; folglich schaut er auf der Suche nach Wahrheit nach Ideen, anstatt seine Gefühle zu befragen. Der Glaube an Ideen als dem Ursprung aller Dinge schmeichelt dem Grosshirn und unterstützt es in der Idee, dass es “der wichtigste Teil des menschlichen Gehirns ist.”2 Diese Vorstellung hat eine weitere falsche Zuschreibung hervorgebracht, die in der Behauptung besteht, der Rest des Gehirns sei “primitiv”. Diese falsche Zuschreibung blockiert eine Vielzahl von Synapsen und Fähigkeiten in den abgewerteten Teilen des Gehirns. (Siehe S. 746: Sich und andere von Projektionen… befreien.)

Die Linie kann sich auch auf jemanden beziehen, der handeln möchte, nur um die Zwiespältigkeit zu beenden, die vom Nicht-Handeln ausgeht. Ihm wird geraten, innerlich den Weisen um Führung zu bitten. Wenn er sich dieser Führung öffnet, wird sich die Lösung zeigen. Sich öffnen heisst, sein Misstrauen durch einen bewussten inneren Akt zu zerstreuen. Dies sollte durch ein Inneres Nein geschehen zu Sätzen, die Zweifel ausdrücken an der Existenz des Weisen und seiner Fähigkeit, auf die Bitte zu antworten und das Notwendige zu tun. (Siehe S. 735: Sich von Keimsätzen und Bildern… befreien)

Platz 2: Schwierigkeiten türmen sich. Pferd und Wagen trennen sich. Wäre nicht der Räuber da, der Freier käme ja. Das Mädchen ist treu, verspricht sich nicht, zehn Jahre, dann verspricht sie sich.
Schwierigkeiten türmen sich, wenn jemand die Worte des I Ging dazu benutzt, um seine fehlgeleiteten Ideen und Glaubensvorstellungen zu bestätigen. Schwierigkeiten entstehen, wenn jemand die Worte des I Ging wörtlich als Aufforderung versteht, äusserlich zu handeln, oder als Entschuldigung benutzt, um durch Machtanwendung etwas geschehen zu machen. Er ist sich nicht bewusst, dass der Weise nur durch seine Gefühle mit ihm kommunizieren kann. Wenn lediglich sein Verstand - ohne jede Verbindung mit seinem Herzen - aktiv ist, können die Botschaften des Weisen nicht zu ihm durchdringen. Der Wagen ist eine Metapher für die Gefühle, das Pferd eine Metapher für die Worte. Die Botschaft ergibt nur dann Sinn, wenn die Worte mit den Gefühlen verbunden sind. Sowohl die Worte als auch die Gefühle sind Helfer, die helfen wollten, aber umkehren mussten.
Der Räuber ist eine Metapher für das kollektive Ego, das seine tradierten Glaubensvorstellungen zwischen den Fragesteller und die Botschaft des Weisen geworfen hat. “Das Mädchen ist treu” bezieht sich auf den Weisen und die Helfer, die, weil sie stets ihrem Wesen treu bleiben, unter den gegebenen Umständen nicht helfen können. Die Metapher “zehn Jahre” bedeutet, dass der Weise nicht zu Hilfe kommen wird, solange der Betreffende den genannten Vorstellungen anhängt.
“Das Mädchen ist treu” kann sich auch auf Situationen beziehen, in denen jemand versucht ist, sich auf einen Handel mit einem anderen einzulassen, indem er Treue verspricht im Austausch für bestimmte Vorteile. Ein solcher Handel führt zum Verrat am eigenen wahren Selbst, weil er den Betreffenden in Verpflichtungen verwickelt, die den wirklich zu ihm passenden Partner fernhalten. Die Person, die den “Handel” vorschlägt, kommt mit der Absicht, den anderen zu berauben, sei es um Güter, seine Lebensenergie, seinen guten Namen, seine Integrität, usw.
Keimsätze, die jemanden dazu verleiten, sich auf solche Geschäfte einzulassen, sind: “Man muss Kompromisse machen, um im Leben voranzukommen”. - “So etwas wie den richtigen Partner gibt es für mich nicht.” - “Hilfe kommt immer zu spät.” - “Man kann sich im Leben auf nichts verlassen.” - “Ein Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.” - “Dies ist das beste Geschäft, das ich je bekommen werde.” - “Einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul.” Alle Sätze dieser Art belegen denjenigen, der an sie glaubt, mit einer falschen Zuschreibung, die ihn in Situationen gefangen hält, in denen er sich kompromittieren muss. (Siehe S. 746: Sich und andere von falschen Projektionen… befreien.)

Keimsätze, die jemanden dazu verleiten, sich auf solche Geschäfte einzulassen, sind: “Man muss Kompromisse machen, um im Leben voranzukommen”. - “So etwas wie den richtigen Partner gibt es für mich nicht.” - “Hilfe kommt immer zu spät.” - “Man kann sich im Leben auf nichts verlassen.” - “Ein Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.” - “Dies ist das beste Geschäft, das ich je bekommen werde.” - “Einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul.” Alle Sätze dieser Art belegen denjenigen, der an sie glaubt, mit einer falschen Zuschreibung, die ihn in Situationen gefangen hält, in denen er sich kompromittieren muss. (Siehe S. 746: Sich und andere von falschen Projektionen… befreien.)
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1 Das Schöpferische (der Name, der in den traditionellen I Ging-Ausgaben dem ersten Hexagramm gegeben wurde) erzeugt angeblich alle Dinge aus Ideen: “Der Anfang aller Dinge liegt sozusagen noch im Jenseitigen in der Form von Ideen…” (Wilhelm, S. 26)
2 Siehe auch Hexagramm 18, allgemeiner Text, wo die Folgen dieser falschen Zuschreibung (=Verzauberung) ausführlich erläutert werden.